Montag, 15. Februar 2010
Ein Hauch von White Turf im Revier

Winter in Wambel: Jockeys und Rennleitung im Führring, die Besucher können sie einzeln begrüßen

Sonntag nachmittag auf der Galopprennbahn in Dortmund-Wambel: Der Schnee hatte die Bahn in eine Winterlandschaft verwandelt, ein Hauch von White Turf lag im Revier. Natürlich nur etwas: Die Pelzmäntel treffen sich am vereisten See im Schweizer Nobelort St. Moritz, in Dortmund sind Funktionsjacken eindeutig in der Überzahl.
Die meisten ihrer Besitzer blieben an diesem Nachmittag allerdings zu hause. Nur wenige Besucher waren auf der Rennbahn, der Bahnumsatz war so mäßig wie in den Wochen zuvor.
Dabei war das Programm für den Winter gar nicht so schlecht: einige gutbesetzte Handicaps mit vielen Formenpferden versprachen gute Quoten.
Die Bilanz des Tages? Es war Ladies Day in Wambel: Sechs der acht Rennen gewannen Pferde mit Frauen im Sattel, am meisten strahlte Caroline Fuchs, die drei mal erfolgreich war - zweimal für Trainer Christian von der Recke, einmal für Trainer Axel Kleinkorres. Von der Recke feierte noch einen Erfolg, auch Kleinkorres gewann ein weiteres Rennen.



Überraschende Niederlage: Owentuo und Jockey Andre Best nach dem Rennen im Absattelring

Einige „Unverlierbare“ sorgten für lange Gesichter bei ihren Anhängern: Bereits im ersten Rennen verlor der 13:10-Favorit Owentuo gegen die 191:10 Chance Cesare. Das von der Recke-Duo Prime Aspiration und Mayta Capac hielt im fünften Rennen Captain Camelot (13:10) im Schach. Dumm gelaufen - nicht nur für Sport-Welt Tipster Olaf Schick, der diese Pferde angesagt hatte. Geld verdienen konnte man mit den Tipps des ehemaligen Jockeys mal wieder nicht.
Fast schon „Poesie“ sind manche Renntitel in diesem Winter. Mein Liebling an diesem Tag war das „Mit gesenkten Abzügen auf Sieg und Platz mehr Geld gewinnen-Rennen“.
Lob verdienen die Verantwortlichen dafür, einen Ausgleich 3, eines der sportlich beste Rennen des Tages, Katharina Daniela Werning zu widmen. Dortmunds Sportlerin des Jahres 2009, im Dezember schwer gestürzt, war anwesend, sagte die Siegerin Giardini in ihrem Rennen an, zeigte sich kämpferisch und erklärte, dass sie im März wieder anfange. Und verdiente sich noch Extra-Punkte für ihr Styling.
Meine Wettbilanz: ein getroffener Einlauf mit Fabregas und Bambari (zahlte zwar nur 99), ein Sieger mit Little Doc (Kurs 48) - das war in Ordnung.



Freitag, 12. Februar 2010
„Fiepe“ imponierte auch den Engländern
Es ist selten, dass ein deutsches Hindernispferd der englischen Fachzeitschrift Racing Post eine Notiz wert ist, wenn es seine aktive Laufbahn beendet. Der zehnjährige Wallach Fiepes Shuffle hat sich diese Auszeichnung aber redlich verdient: Sein Erfolg im Dezember 2008 in der Desert Orchid Chase, einem Grade II-Rennen über zwei Meilen, auf der Rennbahn in Kempton war der größte Erfolg eines deutschen Pferdes in der Hochburg der europäischen Hindernisrennen.
„Er war nicht so verrückt an den Hindernissen“, erklärte sein glücklicher Trainer Christian von der Recke nach dem Rennen. Und bezog sich auf das Rennen vorher in Sandown, als der Wallach in guter Haltung gestürzt war, weil er etwas übermotiviert ein Hindernis anging. Allerdings kam ihm auch der flache Kurs in Kempton entgegen: Dort schlug er Start-Ziel als 16:1-Aussenseiter mit Jamie Moore im Sattel immerhin Petit Robin aus dem Stall von Nicky Henderson. Im geschlagenen Feld endete ein gewisser Twist Magic, der an diesem Tag völlig indisponiert wirkte.
Bereits im April des Jahres hatten Fiepes Shuffle und von der Recke für Aufsehen auf der Insel gesorgt, als der Wallach Dritter in der Celebration Chase wurde – übrigens hinter dem ansonsten immer etwas rätselhaften Andreas, der an diesem Tag aber sein Phlegma einfach mal vergaß.
Dass der Big Shuffle-Sohn einmal die Hindernis-Szene aufmischt, hätte sein Besitzer Gerd Zimmermann, dessen Pferde unter dem Namen Stall Jenny laufen, anfangs wohl kaum gedacht. Denn Fiepes Shuffle war ein frühreifer und schneller Zweijähriger, gewann unter der Obhut von Mario Hofer zwei frühe Rennen in Baden-Baden und Hamburg und lief danach immer in ziemlich guter Gesellschaft in Baden-Baden, Maisons Laffitte und Doncaster.
Dreijährig reihte sich Fiepes Shuffle schnell in die Riege der besten deutschen Sprinter ein. Höhepunkt war der Sieg im Volkswagen-Großen Preis von Berlin in Hoppegarten, dazu kamen weitere Placierungen.

Schnell top
2004 ging es auf der Flachen allerdings nicht richtig weiter und da Gerd Zimmermann ein der wenigen Förderer des in Deutschland ziemlich darbenden Hindernissports ist, wechselte er auf die Hürdenbahn und kam zu Christian von der Recke.
Dort entpuppte sich Fiepes Shuffle als ziemliches Talent, gewann seine ersten drei Rennen sowohl über die kleinen Hürden als auch die großen Jagdsprünge.
In der kleinen Phalanx deutscher Hindernispferde nahm er schnell eine Spitzenstellung ein. 21 Rennen bestritt der Frontrenner insgesamt über die Sprünge: 11 mal davon kam er als Sieger zurück.
Und es hätten durchaus noch mehr Rennen und Siege sein können, wenn er nicht durch Verletzungen ziemlich beeinträchtigt gewesen wäre. Die Jahre 2005 und 2007 konnten die Verantwortlichen so ziemlich streichen. Und auch 2009 war er nur einmal am Start. Und die Vorstellung in Dortmund, wo Fiepes Shuffle – jetzt wieder bei Mario Hofer – 40 Längen hinter dem Sieger blieb, war der etwas ernüchternde Schlusspunkt einer ansonsten hocherfolgreichen Karriere.



Dienstag, 9. Februar 2010
Harte Zeiten für Trainer im Galopprennsport
Es ist wieder die Zeit der Stallparaden in der Sport-Welt. In der Freitag-Ausgabe stellte das Fachblatt die aktiven Galopprennpferde der Trainer Andreas Trybuhl (Köln), Reiner Werning (Dortmund) und John David Hillis (München) vor. Wenn man die Daten mit den Vorjahren vergleicht, dann wird einem erst richtig bewusst, wie ernst die wirtschaftliche Situation im deutschen Galopprennsport ist.
Zum Beispiel bei der Anzahl der im Training befindlichen Vollblüter: Andreas Trybuhl in Köln-Weidenpesch hat 2010 laut aktueller Stallparade nur noch 32 Pferde im Stall, zum Vergleich: 2004 waren es noch 52 Pferde (Quelle Sport-Welt Special 2004), 2007 sogar 56 (Quelle Sport-Welt Special 2007). Das sind mehr als 20 weniger als vor drei Jahren – 2007, einem Jahr, wo viele dachten, schlechter kann die Lage gar nicht mehr werden. Logische Konsequenzen dieser Entwicklung: geringere Trainingsgelder durch die Besitzer, sinkende Einnahmen für den Trainer. Wie Trybuhl geht es vielen seiner Kollegen.

Lucky Strike
Dabei ist das ein Quartier, das durchaus erfolgreich agiert: In den Jahren 2000 bis 2005 ging es aus kleinen Anfängen richtig aufwärts; besonders die Sprinter wie Areion, Soave und natürlich der unverwüstliche Lucky Strike sorgten für Furore. Die Zahl der Siege 2009 lag zwar deutlich hinter dem Top-Jahr 2005, dennoch weist Trybuhl immer noch ein gutes prozentuales Verhältnis Starts – Siege auf (Quelle DVR).
Noch ein Trend zeigt sich im Trybuhl-Stall deutlich, der die mangelnde wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Galoppsports hierzulande dokumentiert: Fünf seiner 26 Erfolge 2009 feierte der 47jährige in Frankreich. Wirtschaftlich lohnt sich das für Trainer und Besitzer, weil die Preisgelder auf den französischen Bahnen deutlich höher sind.
Für die Attraktivität der Rennen auf Deutschlands Bahnen ist das allerdings schlecht: Denn die Pferde, die in unserem Nachbarland triumphieren, haben oft Ausgleich I und Ausgleich II-Niveau. Diese Handicaps der höheren Kategorie waren früher häufig richtige Wettrennen mit einer Vielzahl von Formpferden. Heute kommen sie hingegen oft gar nicht mehr zustande, weil sie durch die geringeren Preisgelder wenig attraktiv sind und es für Vollblüter dieser Klassen Alternativen gibt. Und darum sind in Deutschland eigentlich nur noch die Handicaps der unteren Kategorien quantitativ ausreichend besetzt.