Die Leser der Dortmunder Tageszeitung Ruhr-Nachrichten und die Hörer des Radiosenders 91.2 haben entschieden: Jockey Katharina Werning ist Dortmunds Sportlerin des Jahres 2009. Werning setzte sich mit 41 Prozent der Stimmen gegen die Leichtathletin Jana Hartmann (37 Prozent) und die Segelfliegerin Sue Kussbach (22 Prozent) durch. Es gibt sie also noch, die guten Nachrichten aus dem deutschen Galoppsport – auch wenn es „nur“ eine lokale Sportlerwahl war. Die 1000 Euro Preisgeld will sie übrigens laut GaloppOnline bei German Racing investieren.
Dabei erlebte der Spross einer Dortmunder Galoppsport-Familie – Vater Reiner trainiert in Wambel, die Geschwister ritten bzw. reiten fast alle – ein wahres Seuchenjahr. Im Sommer zog sich „Deutschlands schönste Reiterin“ (Bild am Sonntag/Express) einen Trümmerbruch im Handgelenk zu, im Dezember stürzte sie schwer vor einem Showrennen. Die Ärzte versetzten sie in ein künstliches Koma und diagnostizierten eine Blutansammlung. Derzeit befindet sie sich in der Reha. Insgesamt kam Werning im letzten Jahr bei 251 Starts auf 13 Siege.
„Sexy Kathi“ (Bild) dürfte allerdings mehr als nur eine Reiterin sein. Sie ist „das Gesicht des Sports einer im Abwärtstrend befindlichen Sportart" (Ruhr-Nachrichten) und dürfte deutlich mehr Medien-Resonanz in den bunten Blättern haben als männliche Spitzenjockeys wie Andrasch Starke oder Andreas Suborics. Denn ich glaube nicht, dass der gewöhnliche Bunte oder Gala-Leser die beiden Herren kennt.
Er war ein Torhüter, der jeden europäischen Trainer zum Wahnsinn getrieben hätte und dessen Spielweise eigentlich nur in Südamerika vorstellbar ist: Rene Higuita, einstiger kolumbianischer Nationaltorhüter, hat im Alter von 43 Jahren seine Karriere beendet. Zu seinem Abschiedsspiel kamen noch einmal illustre Namen wie sein alter Mannschaftskamerad Carlos Valderrama – nicht nur bekannt durch seine Frisur, sondern auch durch eine Wunderheilung direkt auf der Krankenbahre, als er beim WM-Spiel 1990 gegen Deutschland direkt von dieser wieder aufsprang.
Zwei Szenen machten Higuita in Europa bekannt: Da war einmal das WM-Achtelfinale 1990 in Italien. Kolumbien spielte gegen Kamerun; Altmeister Roger Milla luchste „El Loco“ 35 Meter vor dem Tor den Ball ab und traf zum 2:0 in der Verlängerung. Es war allerdings auch ein schlampiger Pass des kolumbianischen Abwehrspielers.
Und dann natürlich 1995 beim Gastspiel der kolumbianischen Nationalmannschaft im Wembley-Stadion, als er auf sehr, sehr, sehr unorthordoxe Weise einen weiten Ball abwehrte. Doch nicht nur der „Scorpion Kick“ sorgte für Aufsehen.
Higuita war außerdem ein sicherer Elfmeter- und Freistoßschütze. Bis Paraguays Luis Chilavert kam, war der Kolumbianer der torgefährlichste Keeper der Welt. Für das Nationalteam traf das Reaktionswunder, das allerdings im Strafraum einige Schwächen zeigte, nur dreimal; wie viel Treffer ihm bei seinen zahlreichen Vereinen gelangen, weiß leider nur er selbst.
„Hilfe“, „die Bombe platzte…“ – dramatische Worte, die GaloppOnline da wählte. Aber was macht dem Online-Angebot der Sport-Welt so viel Angst? Die Redaktion befürchtet, dass eventuell die Galopprennen am Sonntag auf der Dortmunder Allwetterbahn ausfallen könnten, weil die Rennställe zu wenig Starter gemeldet haben. Über Sprachstil lässt sich bekanntlich nicht streiten, in der Sache hat das Fachblatt aber Recht.
Es gibt zu wenig Starter für die geplanten zehn Rennen auf der Wambeler Bahn. Nur in den vier Rennen der Kategorie Ausgleich 4 ist die Zahl der genannten Pferden halbwegs akzeptabel, ausgesprochen dürr sind die Nennungen in zwei ausgeschriebenen Ausgleich 3 mit fünf bzw. sechs Pferden und im Rennen für die sieglosen Dreijährigen mit fünf potenziellen Teilnehmern.
Was ist los? Will keiner mehr hier laufen? Zugegeben, die Witterungsverhältnisse verhindern derzeit oft die Trainingsarbeit, die Zahl der in Deutschland trainierten Pferde nimmt von Jahr zu Jahr ab, das Preisgeld ist bescheiden. Dennoch: Es ist der einzige Termin der Woche, da sollten sich doch wohl noch ein paar Pferde finden lassen. Die Vorstarterangabe wurde immerhin um einen Tag verlängert.
Fakt ist aber auch, dass es in diesem Winter immer schwieriger wird, selbst für einen Ausgleich 3 Starter finden. Beispiel: Das Rennen Anfang Januar in Dortmund mit nur vier Startern (bei drei Nichtstartern), auf das insgesamt nur 6 000 Euro gewettet wurden.
Und schauen wir mal, wie viele deutsche Pferde am Wochenende in Frankreich laufen? Heute siegte im übrigen Astronom aus dem Stall von Werner Baltromei in einem mit 24 000 Euro dotiertes Handicap in Cagnes, der verdiente Lohn waren 12 000 Euro. Für dieses Preisgeld müsste er in Neuss und Dortmund mindestens fünf Mal gewinnen – wenn es denn Rennen überhaupt für Pferde dieser Leistungsklasse auf den deutschen Winterbahnen geben würde.