Schnee und Frost sorgen weiter für Chaos auf der Insel: Auch an diesem Samstag fallen alle Hindernisrennen in England und Irland aus. Pech für die noch relativ neue Bahn im walisischen Ffos Las: Denn mit der Welsh Champion Hurdle und der Tolworth Hurdle (die bereits letzte Woche in Sandown abgesagt wurde und extra nach Ffos Las transferiert wurde) standen zwei absolute Höhepunkte auf dem Programm. Zumindest die Welsh Champion Hurdle könnte am 17. Januar nachgeholt werden, wenn Ffos Las wieder veranstaltet und das Wetter mitspielt.
Ffos was? Das hätte ich bis vor einem Jahr auch noch gesagt. Nur wenige kannten den ländlichen Flecken fünf Meilen nördlich der walisischen Stadt Llanelli. Erst im Juni 2009 war die Eröffnung. Damit war Ffos Las der erste neue Turf-Rennkurs im vereinten Königreich seit 80 Jahren – die Betonung liegt auf Turf, denn der Allwetterkurs in Great Leighs öffnete im April 2008 seine Tore.
Historischer Moment: Das erste Rennen in Ffos Las. Wenn nur diese schauderhafte Musik nicht wäre...
Doch während die Bahn im englischen Essex schon wieder geschlossen ist und für überwiegend negative Schlagzeilen sorgt, bekamen die Waliser vorwiegend gute Kritiken.
Treibende Kraft auch finanziell war Dai Walters, lokaler Geschäftsmann und bekannter Besitzer von National Hunt-Pferden. Betreiber ist Northern Racing, unter anderem Inhaber der Kurse in Brighton, Chepstow, Hereford und Newcastle. 21 Millionen Pfund soll der Kurs gekostet haben.
Offenbar eine gelungene Investition: Schon zum ersten Meeting kamen 10 000 Zuschauer – ausverkauft. Das erste National Hunt-Rennen gewann passend der walisische Trainer Evan Williams mit Plunkett und der stolze Besitzer Hywel Jones, ebenfalls Waliser, sprach von einem „historischen Moment“. Das erste Flachrennen entschied Our Dream Queen aus dem bekannten Quartier von Barry Hills.
28 Renntage wollte Ffos Las 2010 veranstalten, jetzt sind es noch 27. Im August steht ein dreitägiges Festival mit Flachrennen auf dem Programm. Dai Walters träumt im übrigen von Meetings sowohl mit Flach- und Hindernisrennen – so wie beim Galway Festival in Irland.
Flachrennen gibt es natürlich an diesem Wochenende in England: Die Meetings auf den Allwetterbahnen in Kempton und Lingfield finden statt – die Rennen dort sind aber so wenig reizvoll wie ihre deutsche Variante am Sonntag in Neuss.
Ab Sonntag blickt die Fußball-Öffentlichkeit zum ersten Mal nach Afrika: Am 10. Januar startet in Angola mit dem Eröffnungsspiel der Gastgeber gegen Mali der 27. Afrika-Cup. Im Juni folgt bekanntlich die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika.
Für den Kontinent eine große Chance, am Image zu arbeiten. „Die wichtigste Aufgabe wird 2010 sein, das Bild zu ändern, das die Menschen von Afrika haben, wir müssen dem Rest der Welt zeigen, was Afrika kann", zitiert die taz Anthony Baffoe, einst Bundesligaspieler in Köln und Düsseldorf und heute Teammanager Ghanas.
Angola steht im Januar im Blickpunkt des Interesses: eine noch junge Nation, erst 1975 unabhängig geworden und bis 2002 von einem blutigen Bürgerkrieg geplagt. Es grenze fast ein Wunder, schreibt der kicker in seiner Print-Ausgabe vom Montag, „dass die vier Spielstätten in der Hauptstadt Luanda, in Cabinda, in Benguela und Lubango rechtzeitig fertig geworden sind“. Für die Gastgeber ist die Organisation eine Herkules-Aufgabe, aber sie sind optimistisch und hoffen, von der verbesserten Infrastruktur zu profitieren – ähnlich wie Mali, Veranstalter 2002.
Sportlich wird es für Angola, immerhin 2006 in Deutschland bei der WM dabei, schwierig. In der Afrika-Qualifikation scheiterten die „Palanca Negras (Schwarze Antilopen)“ bereits in Runde 2 an Benin. Die Favoriten tragen andere Namen: Da wären zum einen die fünf WM-Teilnehmer Elfenbeinküste, Kamerun, Ghana, Nigeria und Algerien. Ägypten gewann die letzten beiden Turniere, scheiterte in der WM-Qualifikation aber an Algerien. Auch mit Tunesien sollte zu rechnen sein. Für Freunde interessanter Aussenseiter empfehlen sich Mali, Benin und Burkina Faso; drei Nationen, die sich in der WM-Qualifikation ganz achtbar schlugen.
Exodus
Aufschlussreich ist ein Blick in die offizielle Spielerliste: Es gibt eigentlich keine Profiliga in Europa, in denen afrikanische Fußballer nicht am Ball sind. Sie kicken in Moldawien, Bulgarien, Norwegen oder Kroatien, in der zweiten französischen oder zweiten deutschen Liga – aber auch in den Top-Ligen wie die großen Namen Samuel Eto’o (Kamerun/Inter Mailand), Didier Drogba (Elfenbeinküste/Chelsea London), Michael Essien (Ghana/Chelsea London) und Frederic Kanoute (Mali/FC Sevilla), die selbstverständlich bei dieser Prestige-Veranstaltung dabei sind. Aus Deutschlands Profiligen kommen 21 Spieler, darunter vom BVB Mohammed Zidan, der für Ägypten auf Torjagd geht.
Die Liste dokumentiert auch ein großes Problem: Es gibt keine funktionierenden Profiligen (Ausnahme vielleicht Ägypten oder Südafrika) auf dem Kontinent, irgendwann landet fast jeder talentierte Spieler - oftmals mit Hilfe dubioser Berater - in Europa.
Interessant dürfte zudem sein, wie sich das sportliche Niveau entwickelt. Immer wenn ich mir bei den Veranstaltungen zuvor Spiele angeschaut haben, waren das Begegnungen, bei denen sich die Mannschaften taktisch quasi selbst neutralisierten. Nur die oftmals unsicheren Torhüter sorgten für Unterhaltung.
Afrikas Fußball stagniert. Die Prognosen, dass beispielsweise Nigeria oder Kamerun bei einer WM in naher Zukunft ein Finale erreichen werden, erwiesen sich als falsch. Was nicht verwundert: Nigeria hatte zum Beispiel immer wunderbare Fußballer, doch es fehlt einfach an Kontinuität und Strategie. Wer jedes halbe Jahr einen neuen Trainer (am besten irgendeinen Europäer) für viel Geld holt, der nach kurzer Zeit wieder fliegt, darf sich nicht wundern, das sein Team nur aus eitlen, egoistischen Diven besteht. Und auch Shaibu Amodu, einheimischer aktueller Coach der Super Eagles, steht schon wieder zur Diskussion, falls er nicht mindestens das Halbfinale erreicht.
Ein Land fehlt übrigens: WM-Gastgeber Südafrika scheiterte frühzeitig. Wenigstens dort dürfte es drei ruhige Wochen geben.
Vor geraumer Zeit gab es in Dortmund immer Galopprennen an Neujahr. Das war durchaus dem Neujahres-Skispringen vorzuziehen, weil man eben an der frischen Luft seinen Silvester-Kater viel effektiver abbaut.
Den Neujahrs-Renntag veranstaltet der Dortmunder Rennverein schon lange nicht; nichtsdestotrotz startete in diesem Jahr auch wieder die deutsche Rennsaison 2010 mit acht Rennen auf der Allwetterbahn im Vorort Wambel.
Weil in Deutschland derzeit Schnee und Eis regieren, mussten die Dortmunder ziemlich kämpfen, damit die Starterfelder einigermaßen gefüllt waren. Die Situation hatte sich am Sonntag nicht verändert: Das Winterwetter sorgte nicht nur für einige Nichtstarter, sondern auch dafür, dass viele Zuschauer daheim blieben. „Man konnte beim Umsatz natürlich keine Wunderdinge erwarten“, lautet dann immer der Standardsatz bei GaloppOnline – und so war es auch diesmal. Ganze 27 000 Euro wurden auf der Bahn gewettet – mit meinen mageren 20 Euro Gesamteinsatz lag ich also ziemlich im Trend der Bahnbesucher. Der Gesamtumsatz betrug mässige 123 970 Euro.
Ganz früher war ich häufiger im Winter in Wambel. Seitdem ich aber mein Herz für den englischen Hindernissport entdeckt habe, sind die Besuche dort selten, obwohl die Bahn direkt vor der Haustür liegt. Zumal der sportliche Anreiz fehlt: Immer die gleichen mäßigen Pferde, von denen mal der eine, mal der andere vorne ist; hinzu kommt die Erkenntnis, dass man auf Dauer mit Tipps auf langsame Vollblütern nur Geld verlieren kann. Die besseren deutschen Pferde laufen hingegen in den höher dotierten Rennen im französischen Deauville.
Es ist die vielbeschworene Galoppsportbasis, die die Winterrrennen in Dortmund und Neuss am Leben hält. Viele Teilnehmer kommen aus dem Osten oder aus dem Südwesten und nehmen lange Anfahrtswege bei widrigen Wetterbedingungen in Kauf - für Preisgelder, die schon seit 20 Jahren nicht mehr gestiegen sind.
Buschtrommeln blieben stumm
Dabei wirkt die Dortmunder Bahn schon lange nicht mehr so trostlos wie noch vor einigen Jahren. Das Bemühen, das Umfeld gastlicher zu gestalten, ist deutlich zu erkennen. Die Gastronomie ist viel besser geworden – früher war sie allerdings auch eine Zumutung.
Am Sonntag waren aber auch die beiden beheizten Glastribünen für viele kein Argument für einen Bahnbesuch. Vor dem ersten Rennen um 14 Uhr standen vielleicht geschätzte 30 Leute am Führring und schauten sich die dreijährigen Pferde an. Erstaunlich, dass sogar zwei Starter aus Frankreich sich um die 4 500 Euro Preisgeld bewarben. Sie liefen allerdings ziemlich hinterher – Steffi Hofer gewann für ihren Vater Mario mit Starcos die erste Prüfung des Jahres, meine Zweierwettenpferde Cresta Gold und Lips Devil belegten die Plätze 2 und 3. So ging das wettmäßig weiter: im zweiten Rennen 1. und 3. im Einlauf, im dritten Rennen hatte mein Tipp Hurry Girl einige gute Szenen, aber keine Durchschlagskraft.
Der Sieger Vengador aus dem Stall des einstigen Topjockeys Dragan Ilic gewann zur lukrativen Quote von 189:10, was mich etwas erstaunt. Normalerweise sind die Buschtrommeln aus dem Ilic-Stall ziemlich laut, wenn ein Pferd aus dem Quartier gewinnen kann. Das war diesmal offensichtlich nicht so.
Im vierten Rennen war rein rechnerisch nur ein Duell zwischen Löwenherz und Libon möglich, beide standen „kilometerweit“ (Sport-Welt) über den restlichen drei Startern. Nun ist das auf der Sandbahn mit den guten Dingen so eine Sache – doch wenn in diesem Rennen eine der drei noch verbliebenen Pferde vor bzw. zwischen die Favoriten gelaufen wäre, ich glaube, ich hätte so schnell keine deutsche Bahn mehr betreten.
Doch am Ende lief alles formgemäß: Löwenherz vor Libon, der Einlauf zahlte 19:10. Und da ich diesen natürlich hin und zurück geschrieben hatte, gab es trotz des Treffers noch 25 Cent Verlust.
Eine ziemliche Farce war der Ausgleich 3, der „sportliche Höhepunkt“ der Karte. Drei Nichtstarter reduzierten das Starterfeld auf vier Teilnehmer – am Ende distanzierte der größte Außenseiter Rolling Arrogance seine Gegner. Es war Zeit zu gehen…