Freitag, 11. Dezember 2009
Retter des deutschen Galopprennsports gesucht
Die aktuelle Zeichnungssumme liegt bei 1 312 500 Euro (Stand Freitag, 11.12., 18:50), benötigt werden aber mindestens vier Millionen Euro. Noch besser wären 15 Millionen Euro für die große Lösung, aber noch verbleiben 11 Tage, dann endet die Zeichnungsfrist.
Wovon ich rede? Für die Fußballerfraktion dieser Seiten: Es handelt sich um die DG Deutsche Galopprennsport Beteiligung GmbH und Co. KG, kurz German Racing genannt. Wer also mindestens 1000 Euro gerade nicht benötigt, kann Anteile von German Racing erwerben, darf sich Partner des Rennsports nennen und vielleicht später einmal über eine Dividende freuen. Weitere Infos gibt es hier, den Anlegerprospekt bekommen Interessierte unter dieser Adresse.
Mit den Geldern möchte German Racing eigene Wettbüros und eine eigene Internet-Plattform (wie diese, diese oder auch diese) aufziehen, damit nicht immer nur die „bösen“ Buchmacher den Rahm abschöpfen.
Oder wie es Galopper-Präsident Albrecht Woeste formuliert: „Der Deutsche Galopprennsport bekommt schon seit Jahren nicht mehr, was er verdient. Deshalb müssen wir auf diesem Markt unser Produkt Pferderennen selbst verkaufen. Das macht man nicht mit einem kleinen Tante-Emma-Wettladen und auch nicht über eine lustig bunte Internetseite mit wiehernden Pferden. Das ist Big Business! Dafür müssen wir investieren.“
Wie Woeste und co. den deutschen Galopprennsport wieder „sexy" machen möchten, verrät der oberste Galopperrepräsentant zudem im Interview von Sport-Welt/GaloppOnline.
Kritik? Gibt es einige, gebündelt in diversen Threads des Galopperforums.



CL-Rückblick, Teil 2: Bye Bye Liverpool

4:3 siegte Florenz beim VSC Debreceni. Die Tore sind sehenswert

Teil 2 unserer Champions League-Nachlese, diesmal die Gruppen E bis H. Ein prominenter Name wird im Achtelfinale fehlen: Der FC Liverpool, Gewinner 2005 und 2007 im Finale, scheiterte in der Gruppe E und muss als Dritter in die Europa League.

Gruppe E
Dass der AC Florenz eine gute Mannschaft hat, musste in der vorherigen Saison schon der FC Bayern feststellen. Die Münchener gewannen zwar 3:0 in der Arena und spielten 1:1 in Florenz. Dabei hatten sie jedoch viel Glück, weil die Italiener beste Chancen vergaben. Dieses Jahr marschierte die Fiorentina: Am 1. Spieltag verlor sie 0:1 in Lyon, danach folgten fünf Siege in Serie. Platz 1 war der verdiente Lohn. Dahinter platzierte sich mit Olympique Lyon eine Mannschaft, die fast schon zum Inventar im Achtelfinale gehört.
Beide profitierten aber auch von der Schwäche des FC Liverpool: Das Team von Rafael Benitez holte nur einen Punkt gegen das Spitzenduo, verlor zuhause an der Anfield Road sowohl gegen Lyon als auch Florenz.
Keine Chance hatte erwartungsgemäß der ungarische Vertreter Debreceni VSC, der abgeschlagen mit 0 Punkten und einem Torverhältnis von 5:19 Toren die rote Laterne trug. Immerhin darf sich der Club über ein Startgeld von 7,1 Millionen Euro freuen.

Gruppe F
Zum Schluss setzen sich doch die heißen Favoriten Barcelona und Inter Mailand durch. Aber beide Teams hatten viel Mühe mit den Außenseitern Rubin Kasan und Dynamo Kiew. Vor dem letzten Spieltag hatte noch jeder der vier Teilnehmer Chancen, ehe sich dann Barca in Kiew und Inter gegen Kasan behauptete. Selbst Titelverteidiger Barca wackelte teilweise, verlor zuhause gegen die Russen aus Kasan und spielte in Tatarstan bei Rubin nur Unentschieden. Erst ein überzeugendes 2:0 gegen Inter sorgte für Ruhe.

Gruppe G
Hier dominierte eindeutig der FC Sevilla, der Rest kämpfte eigentlich nur um Platz 2. Den belegte der VfB Stuttgart, der im „Endspiel“ gegen Unirea Urziceni dank drei schneller Tore 3:0 führten und am Ende mit 3:1 die Oberhand behielten. Ausgerechnet die Schwaben, die in der Bundesliga auf einem Abstiegsplatz stehen und wo nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den VfL Bochum die Volksseele überkochte. Der VfB reagierte, ersetzte Trainer Markus Babbel durch den Schweizer Christian Gross und schaffte noch die Wende. Die Rumänen aus Urzecini verkauften sich ganz gut, was man definitiv nicht von den Glasgower Rangers behaupten kann. Spielerisch einer der schwächsten Mannschaften der Champions League, reichte es gerade mal zu zwei Punkten und Platz 4 für die einst in Europa so stolzen Rangers.

Gruppe H
Der FC Arsenal marschierte souverän zum Gruppensieg und patzte nur im letzten Spiel in Piräus. Da war allerdings auch schon alles entschieden. Platz 2 sicherte sich Olympiakos Piräus und profitierte wieder von der Heimstärke: Im Stadion Georgios Karaiskakis holten die Griechen neun von zehn Punkten und schufen so die Basis, das Achtelfinale zu erreichen. Ganze vier geschossene Tore sprechen allerdings nicht gerade für ein Offensivspektakel.
Die beiden CL-Debütanten aus Belgien und den Niederlanden zahlten gegen die erfahrene Konkurrenz manches Lehrgeld, obwohl sie durchaus mithalten konnten. Platz 3 und damit den Verbleib in Europa sicherte sich Standard Lüttich durch den späten Ausgleich (90. + 5 Minute!) ihres Torhüters gegen den AZ Alkmaar.



Donnerstag, 10. Dezember 2009
CL-Rückblick, Teil 1: Chapeau Bordeaux
Die Gruppenphase in der Champions League ist beendet, die Teilnehmer für das Achtelfinale stehen fest. Zeit für eine erste Bilanz: Immerhin zwei von drei deutschen Vereinen bleiben im Wettbewerb, nur der VfL Wolfsburg muss als Dritter in die Europa League. Im ersten Teil blicken wir zurück auf die Gruppen A bis D.

Gruppe A
16 von 18 Punkten, fünf Siege und nur ein Remis: Girondins Bordeaux war die Überraschung dieser Gruppe. Nicht die großen Namen Bayern München und Juventus Turin dominierten, der französische Meister setzte die Akzente. Auch der FC Bayern verlor beide Spiele gegen das Team von Laurent Blanc und wurde in Bordeaux so richtig vorgeführt.
Dass die Bayern-Oberen hinterher doch noch „dicke Zigarren paffen durften“ (kicker), dafür war die 4:1-Gala bei Juventus Turin verantwortlich, mit der sich die Münchener im letzten Moment für das Achtelfinale qualifizierten. Die Leistungen der Bayern dokumentieren sehr gut die Berg- und Talfahrt des Klubs im ersten Jahr unter Trainer Louis van Gaal: Zwei Pflichtsiege gegen Haifa, zwei bittere Niederlagen gegen Bordeaux, ein gutes 0:0 gegen Juventus in München und zum Anschluss die bislang beste Saisonleistung in Turin. Und schon ist in München die Welt wieder in Ordnung.
Bei Juventus Turin ist hingegen der Hausfrieden erheblich gestört. Das Desaster gegen Bayern toppte die schon vorher nicht überzeugenden Leistungen. „Kranke alte Dame“ titelte der kicker, „Schämt euch“ skandierten die Juve-Fans. Sie riefen zudem nach Luciano Moggi, den Vieltelefonierer und früheren Juve-Sportdirektor, der einst dafür sorgte, dass die Schiedsrichter seinem Verein wohl gesonnen waren. Punkt- und torlos blieb Maccabi Haifa. Spielerisch wirkten die Israelis durchaus gefällig, aber ihre Offensive wirkte restlos überfordert.

Gruppe B
In Wolfsburg wird man sich ärgern, denn da war mehr drin als nur Platz 3. Der deutsche Meister enttäuschte keineswegs, bekam gute Kritiken (zum Beispiel beim 1:2 in Manchester), letztendlich fehlte aber die Cleverness. Deutlich erkennbar beim letzten Spiel gegen United, als die englische B-Elf dank Michael Owen aus vier Chancen drei Tore machte.
Manchester United qualifizierte sich problemlos, der Zweite ZSKA Moskau drehte zum Schluss noch richtig auf und erreichte das Achtelfinale. Für Besiktas blieb nur Platz 4, immerhin gewann der türkische Meister mit 1:0 bei Manchester United.

Gruppe C
Etwas zittern mussten Real Madrid und AC Mailand schon, denn Olympique Marseille mischte durchaus mit. Doch am Ende hatten die Favoriten die Nase vorn, weil die Franzosen in den Spielen gegen Real und Milan nur insgesamt einen Punkt holten. Der FC Zürich gewann bei seiner CL-Premiere immerhin in Mailand und erreichte im Rückspiel ein 1:1 gegen das italienische Millionen-Ensemble. Auf der anderen Seite stehen aber auch empfindliche Klatschen gegen Real (2:5) und Marseille (1:6).

Gruppe D
Chelsea und der FC Porto beherrschten die Gruppe D eindeutig und qualifizierten sich schon frühzeitig. Das lag auch daran, dass Atletico Madrid (wie in der spanischen Primera Division) restlos maßlos enttäuschte, gegen Porto zum Beispiel 0:2 und 0:3 verlor. Auch das 0:4 an der Stamford Bridge gegen Chelsea war eine deutliche Angelegenheit. Am Ende hatte Atletico ganze drei Punkte, keinen einzigen Sieg bei einem Torverhältnis von 3:12.
Dass das Team dennoch die Europa League erreichte, ist ein Hohn. Denn die Zyprioten von APOEL Nikosia blieben zwar auch sieglos, verkauften sich aber tapfer bei einem Torverhältnis von 4:7 und kamen ebenfalls auf drei Punkte. Gegen Atletico gab es ein 0:0 in Madrid und ein 1:1 auf Zypern. Das Auswärtstor entschied also für die Spanier. Jesus Gil y Gil, ihr ehemaliger Präsident, wird dennoch im Himmel zürnen...



Dienstag, 8. Dezember 2009
Mick Kinane sagt Tschüss


Legendärer Endkampf im Juddmonte International in York: Giant's Causeway (Mick Kinane) gegen Kalanisi (Pat Eddery). Wer die Nase vorn hat? Natürlich die blaue Farben....`

Das Ende einer großen Karriere im Sattel: Jockey Michael Kinane (50) hat heute seinen Rücktritt vom aktiven Rennsport verkündet. Sea The Stars bescherte dem irischen Topjockey noch einmal ein wunderbares Jahr mit Erfolgen in den englischen 2000 Guineas, im englischen Derby und im Arc.
Die Schlagzeile werde ich nie vergessen. „Hail The Commander” titelte im Juni 1993 eine der englischen Tabloids, ich glaube, es war der Mirror. Es war der Tag des englischen Derbys in Epsom, das 1993 noch an einem Mittwoch ausgetragen wurde, und das Blatt meinte natürlich seinen Derbytipp Commander in Chief, trainiert von Henry Cecil und geritten von einem gewissen Michael J. Kinane.
Damals begann ich mich gerade für den englischen Rennsport zu interessieren, der Name Kinane war mir noch gar nicht so bewusst. Das verwunderte nicht, denn meistens ritt er in seiner irischen Heimat und kam nur zu den großen Renntagen nach England.
So auch 1993: Hoher Favorit im Derby war Tenby, ebenfalls im Training bei Cecil und geritten vom Amerikaner Steve Cauthen, damals Stalljockey des Trainers aus Newmarket. Kinane steuerte die zweite Hoffnung des Cecil-Quartiers, eben jenen Commander in Chief.
Die Experten behielten Recht, die am Stehvermögen des Favoriten zweifelten: Tenby scheiterte auf dem anspruchsvollen Kurs in Epsom, dafür triumphierte Commander in Chief nach einem perfekten Ritt seines Jockeys. Und ich ärgerte mich schwarz, dass ich den Sieger nicht gewettet hatte und mich für ein anderes Pferd entschieden hatte.
Es war der erste Sieg im englischen Derby für Kinane und von nun an achtete ich besonders auf seine Einsätze. Denn er ritt oftmals die zweite Farbe von Trainern wie Henry Cecil, Michael Stoute oder John Dunlop – und für die gab es oft lukrative Quoten, obwohl die Pferde meist nicht viel schlechter waren als ihre höher eingeschätzten Stallgefährten. Jedenfalls verdanke ich Kinane einige schöne Treffer.
Der Ire erwarb sich schnell den Ruf eines Big Race-Jockeys mit großer Nervenstärke.
Im Galoppsport gewann er eigentlich alles, was zählt. Die Liste seiner Erfolge ist beeindruckend. Die Namen der Pferde, mit denen er unter anderem als späterer Stalljockey bei Aidan O’Brien große Erfolge feierte, lesen sich wie das „Who is Who“ des europäischen Turfs: Pilsudski, Galileo, Rock of Gibraltar, Giant’s Causeway, Vintage Crop (mit dem er den Melbourne Cup gewann) oder Montjeu – um nur einige zu nennen.
Und natürlich Sea The Stars, mit dem er in diesem Jahr seine Karriere krönte. „Das beste Pferd, das ich je geritten habe“, sagt Kinane. Und besonders im Arc zeigte er noch einmal seine ganze Klasse als Jockey.