Mittwoch, 2. Dezember 2009
Das Herz sagt Well Chief

The "Couch" gefällt keiner der Favoriten: Er tippt den 33:1-Schuss Free World und freut sich schon auf seine Weihnachtsgeschenke.

„Gott sei Dank, es ist Winter“, sagen derzeit die Freunde gepflegter englischer Hindernisrennen. Das wichtigste Meeting des kommenden Wochenendes läuft am Freitag und Samstag in Sandown Park, einer Rennbahn in der Nähe von London und neben Cheltenham mein bevorzugter National Hunt-Kurs.
Im Mittelpunkt steht am Samstag die Tingle Creek Chase über zwei Meilen, eine Prüfung quasi für die „Sprinter“ unten den Jagdpferden. Gerade diese Rennen über die Minimumdistanz sind oftmals ein richtiges Spektakel, weil die Pferde quasi über die Hindernisse „fliegen“ und das Tempo atemberaubend ist.
In den letzten Jahren dominierte der überragende Master Minded die Szenerie über zwei Meilen und triumphierte 2008 auch als klarer Favorit im Tingle Creek. In diesem Jahr allerdings fehlt das Pferd von Trainer Paul Nicholls wegen einer Rippenverletzung, zuletzt verlor er zudem in Cheltenham gegen Well Chief und Mahogany Blaze, die aber in dieser Prüfung deutliche Gewichtsvorteile hatten.
Leichtes Spiel also für Well Chief, dreijährig Sieger im Dortmunder Sparkassenpreis in Dortmund und vielleicht das bislang beste Pferd mit deutschen Wurzeln im National Hunt-Sport? Schon 2004 lief der Fuchswallach mit der markanten Blesse in diesem Rennen und lieferte sich als Dritter einen heißen Kampf mit Moscow Flyer und Azertyuiop.
Well Chief ist schon ein Phänomen: Zehn Jahre ist bereits alt, gerade mal 25 Starts hat er absolviert. So mancher Handicapper auf der Flachen läuft so viele Rennen in einem Jahr. 2006 und 2008 pausierte er wegen Verletzungen, jedes Mal kam er wieder. Der weiche bis schwere Boden, sagt sein Trainer David Pipe, sollte ihm keine Probleme bereiten; die kleine Verletzung, die er sich während des Rennens in Cheltenham zugezogen hat, ist genesen.

Starke irische Gäste
Leichtes Spiel hat er aber nicht. Die englischen und irischen Buchmacher schätzen zwei Pferde höher ein: Favorit ist Big Zeb, der irische Gast aus dem Stall von Trainer Colm Murphy. Beim Jahresdebüt war er in Navan gegen Made in Taipan erfolgreich, seine beste Form zeigte er jedoch im April in der Irish Champion Chase, als er gegen Master Minded ein großes Rennen lief und diesem nur mit dem Richterspruch „Kopf“ unterlag. Seine besten Formen hat er auf weichen oder schweren Boden, dennoch finde ich die Quote zu niedrig.
Danach folgt Twist Magic, der nach dem Ausfall von Master Minded die Hoffnungen im Nicholls-Stall trägt. 2007 gewann der Sohn der deutschen Stute Twist Scarlett das Tingle Creek und viele dachten, er ist der künftige Dominator in den Zwei-Meilen-Rennen. Doch es kam anders, Twist Magic entpuppte sich als Rätsel auf vier Beinen, weil die Formen oft enttäuschend waren. Erst im April 2009 endete die Durststrecke. Das Jahresdebüt in Exeter war in Ordnung; dennoch ist der Wallach kein Pferd, dessen Leistungsvermögen Vertrauen einflösst.
Aus Irland kommt Forpadytheplasterer, der aktuelle Arkle-Sieger. In Cheltenham gewann er nach Kampf gegen Kalahari King, das Jahresdebüt auf nicht passender Strecke war nicht schlecht und Steigerungspotenzial ist definitiv da. Aber eigentlich ist der Wallach, der von Thomas Cooper trainiert wird, das klassische „Ita-Pferd“ – bei sieben Starts in Jagdrennen belegte er fünfmal Rang 2. Zudem gibt es einige Bedenken wegen des schweren Bodens.
Einen Hinweis verdienen natürlich noch Mahogany Blaze und Petit Robin, denen ich eine Platzierung zutraue, gewinnen werden sie aber nicht.
Schade, dass Barker nicht läuft. Der schlug auf schwerem Boden Forpadytheplasterer in Punchestown und über Made in Taipan, den er erheblich deutlicher besiegte, lässt sich auch eine Elle zum Favoriten Big Zeb finden. 10/1 stand er bei einigen Buchmachern und wäre mein Tipp gewesen, doch Trainer Willie Mullins hat sich für ein anderes Rennen entschieden.

Fazit: Mein ursprünglicher Tipp Barker läuft leider nicht. Da bleibt nur die Hoffnung, dass die Beine meines alter Favoriten Well Chief halten und er sein erstes Tingle Creek gewinnt.



Samstag, 28. November 2009
Unser liebster Hoeneß
Er wird uns fehlen, auch wenn er den falschen Verein nach vorne gebracht hat: Uli Hoeneß ist seit Freitag nur noch Ex-Manager des FC Bayern München und kann es künftig als Präsident des Vereins etwas ruhiger angehen lassen. Wobei ich nicht glaube, dass man Hoeneß jetzt nur noch auf dem Golfplatz antrifft.
Der Abschied dieser Gallionsfigur der Bundesliga war und ist natürlich großes Thema überall, meine Empfehlung für Leute mit viel Zeit ist diese Geschichte aus dem Magazin der Süddeutschen Zeitung.
Der Mann hat unzählige bemerkenswerte Auftritte gehabt, aber wir von nurpferdeundfussball blicken auf eine Bayern-Jahreshauptversammlung aus dem Jahr 2007 zurück, in der es auch um die Stimmung in der Arena ging....




Freitag, 27. November 2009
Denmania Part 2
Um 15:40 deutscher Zeit startet am Samstag auf der Galopprennbahn in Newbury/England der Hennessy Gold Cup, das wichtigste Rennen des Wochenendes. 19 Pferde kämpfen in diesem Jagdrennen über 5 331 Meter um ein Gesamtpreisgeld von 200 000 Pfund. Mit im Feld: der großartige Denman.
Es war vor zwei Jahren in eben diesem Hennessy, als nicht nur mir erst richtig bewusst wurde, was für ein hochklassiges Pferd dieser Sohn von Presenting ist. Der Schützling von Trainer Paul Nicholls war zwar ein Top-Novice, hatte unter anderem in der Sun Alliance Chase in Cheltenham triumphiert. Doch das waren hier die Big Boys, keine Nachwuchssteepler und es war ein Handicap.
Mit dem Höchstgewicht von 75 Kilo ging Denman ins Rennen und ich dachte, das geht nie und nimmer mit diesem hohen Gewicht auf schwerem Boden. Falsch gedacht! Der Wallach bot eine grandiose Leistung, sprang fehlerlos und demoralisierte das Feld mit jedem Sprung immer mehr. Jockey Sam Thomas saß auf der langen Geraden immer noch „wie im Kino" und distanzierte dabei mühelos seine Konkurrenten. Am Ende hatte Denman 12 Längen Vorsprung vor Dream Alliance und Character Building.
Es folgte eine ähnlich großartige Leistung im Cheltenham Gold Cup 2008, als er dem Stallgefährdeten Kauto Star nicht den Hauch einer Chance ließ. Aber dann verletzte sich Denman, zeitweise war sogar seine Karriere als Rennpferd gefährdet.
Doch er kam wieder, lief im 2009er Cheltenham Gold Cup sehr ordentlich, hatte jedoch keine Chance gegen Kauto Star. Vergessen wir mal den letzten Start in Aintree, als Denman auf einer Bahn stürzte, die ihm nicht liegt. Es war bislang der einzige Makel in seiner Laufbahn. Ansonsten liest sich die Bilanz tadellos: 17 Starts, 13 Siege, drei zweite Plätze und dieser eine Sturz.
Und nun wiederholt sich die Geschichte: Im Nicholls-Camp ist man optimistisch, auch wenn Mitbesitzer und Profiwetter Harry Findlay ihn diesmal nicht wettet. Für mich gewinnt Denman sein zweites Hennessy trotz Höchstgewicht, seine Klasse wird sich durchsetzen, auch wenn er vielleicht nicht mehr so gut ist wie in der Saison 2007/08.

Wer sind die Gegner?
Barbers Shop aus dem Stall von Nicky Henderson und im Besitz der Queen war im Gold Cup chancenlos gegen Denman. Im Gold Cup tragen allerdings alle Pferde das gleiche Gewicht, jetzt im Handicap hat er natürlich Gewichtsvorteile. Die Henderson-Pferde sind auch ganz gut in Schuss, aber Barbers Shop springt manchmal etwas unsicher und Fehler wird er sich in dieser Prüfung kaum erlauben können.
Noch weniger glaube ich an Killyglen und Denmans-Stallgefährten What a Friend, die beide aus der Novice-Klasse kommen und einen Sprung bewältigen müssen. Ein ähnliches Fragezeichen gilt für Cappa Bleu, im letzten Jahr Gewinner der Foxhunters Chase in Cheltenham.
Mein zweiter Tipp ist daher Gone to Lunch (mögliche Eventualquote 140:10), zweifacher Sieger in Newbury und Zweiter im Scottish Grand National.

Nachtrag 28.11.
Klasse behielt die Oberhand: Mein Tipp Denman hat sein zweites Hennessy gewonnen. Am Anfang hatte ich noch etwas Bammel, weil er da etwas eckig sprang, doch je länger es ging, desto souveräner marschierte der 37:10-Favorit. Eine famose Vorstellung! Nur der Stallgefährte What a Friend tauchte kurz gefährlich aus, doch am Ende war es ein überlegener Sieg.