Vom „Weltnixtorjäger” zum „Abteilungsleiter Attacke“
Im Galopprennsport würde der Richterspruch „hochüberlegen“ lauten: Lucas Barrios, Stürmer von Borussia Dortmund, ist Fußballer des Monats Oktober in der Bundesliga. 59,5 Prozent (darunter auch meine SMS) entschieden sich bei der Wahl von kicker, DSF und DFL für den Argentinier im BVB-Dress. Damit distanzierte er immerhin Claudio Pizarro (Werder Bremen, 27,2 %) und Andreas Ivanschitz (1.FSV Mainz 05) ziemlich deutlich.
Er hat es verdient, der ehemalige „Welttorjäger“, den der BVB im Sommer für 4,2 Millionen als Nachfolger von Alex Frei holte. In den letzten vier Spielen in der Bundesliga war Barrios jeweils erfolgreich, dazu kamen noch Tore im DFB-Pokal. Es war sein goldener Oktober: Der Argentinier verhinderte mit seinen Treffern die kollektive Fußball-Depression in Dortmund.
Denn überzeugend war das bislang überhaupt nicht, was der BVB in dieser Spielzeit so spielt. Das schwache 2:0 gegen den Tabellenletzten Hertha BSC war derart trostlos, dass man das Spiel schnellstens vergessen sollte. Nur das 2:0 durch Barrios in der Schlussminute wird in Erinnerung bleiben: Schnelle Drehung – wie einst Gerd Müller oder Bruno Labbadia – an Hertha-Abwehrchef Friedrich vorbei und dann ein perfekter Schuss ins Eck.
Ein Hauch von Gerd Müller
Der „Panther“ (so sein Spitzname aus Südamerika) ist der klassische Strafraumstürmer: Technisch solide, körperlich robust, behauptet er den Ball gut und sucht immer den direkten Weg zum Tor. Zudem profitiert er davon, dass Trainer Jürgen Klopp nach der Verletzung von Tamas Hajnal von einem 4-4-2-System auf ein 4-3-2-1 (der Tannenbaum) umstellte.
Dabei war sein Start mehr als holprig. Mit großen Vorschusslorbeeren als Welttorjäger vom chilenischen Traditionsklub Colo Colo geholt, hatte Barrios nach ordentlichem Debüt gegen Köln so seine Probleme. Den Tiefpunkt erreichte er am 3. Spieltag im Heimspiel gegen Stuttgart: Keinen Ball sah er gegen die Stuttgarter Innenverteidiger, verlor fast jeden Zweikampf. Zudem hatte er spürbare Probleme mit dem höheren Tempo in der Bundesliga. „Das ist keiner“, lautete mein (vorschnelles) Urteil. Bestimmt ein guter Spieler für die zweite Liga – so ein Typ wie Giovanni Federico, der jetzt bei Arminia Bielefeld wieder herausragt und bislang schon neun Tore erzielte. „Weltnixtorjäger“ höhnte das Blatt mit den vier Buchstaben.
Barrios strafte alle Skeptiker ab. Nach einer schöpferischen Pause auf der Bank traf er im Pokal beim Zweitligisten KSC zweimal. Gegen Schalke behauptete er sich in der ersten Halbzeit einige Mal sehr gut gegen die starken Bordon und Höwedes. Und hatte Pech, das sein Schuss nur unter der Latte und nicht im Tor landete. Danach lief es aber, der „Panther“ kam auch in der Bundesliga ins Rollen.
„Lucas ist jetzt körperlich in einer Topverfassung“ sagt BVB-Trainer Jürgen Klopp, dessen Spezialprogramm „seinen Abteilungsleiter Attacke erst fit für das schnellere und arbeitsintensivere Spiel in Deutschland“ machte, so der kicker.
„Barrios wird noch besser“, schrieb Dieter Hoeneß in seiner Laudatio. Der ehemalige Hertha-Manager hatte den Stürmer aus Südamerika im letzten Jahr lange beobachtet, wollte ihn nach Berlin holen. Der Plan scheiterte am Einspruch von Trainer Lucien Favre – und jetzt ist Hoeneß nicht mehr Hertha-Manager, Favre als Trainer gefeuert und die Berliner trostloser Tabellenletzter. Nur Barrios trifft – und vielleicht macht er im BVB-Dress auch bald mal so ein Tor wie im Video für Colo Colo in Chile.
Wenn es eine gute Fee gebe, bei der ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre das dieser: Schenke mir eine Reise nach Australien, Anfang November. Dann nämlich läuft der Melbourne Cup auf der Rennbahn Flemington Park.
Dabei muss ich nicht unbedingt einer der mehr als 100 000 Besucher auf der Rennbahn sein. Es würde mir vollkommen reichen, zu diesem Zeitpunkt in Australien zu sein. Nur um zu erfahren, ob es stimmt, dass bei dieser Prüfung über 3200 Meter das ganze Land still steht und fast alle auf dem fünften Kontinent sich ein Pferderennen anschauen. Spannende Frage – die Hoffnung, dass ich das einmal schaffe, habe ich noch nicht aufgegeben.
Die Australier wetteten jedenfalls wie bescheuert: Allein 95,6 Million Dollar (1 australischer Dollar ungefähr 0,6121 Euro) setzten sie allein in den Bundesstaaten Victoria und New South Wales ein.
Heute morgen deutscher Zeit war es dann soweit: Der Sieger 2009 hört auf den Namen Shocking, wird trainiert von Mark Kavanagh und wurde geritten von Corey Brown. Ein Schockerfolg war das nicht unbedingt, denn der vierjährige Hengst war durchaus gewettet worden. Dahinter endeten mit Crime Scene aus dem Godolphin-Stall und dem auch in Deutschland gut bekannten Kerrin Mc Evoy im Sattel sowie Mourilyan zwei Pferde aus Europa.
Leer ging diesmal Trainer-Legende Bart Cummings aus, der damit weiter auf seinem 13. Sieg im Melbourne Cup warten muss.
Borussia Dortmund setzte am Dienstag eine lieb gewonnene Tradition fort, um die es zuletzt etwas ruhig geworden war. Gemeint ist die gute alte Blamage im DFB-Pokal: Mit einem 2:3 beim Drittligisten VfL Osnabrück verabschiedeten sich die Schwarz-Gelben im Achtelfinale aus dem Wettbewerb. Warum der BVB verlor und warum BVB-Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel reichlich vergrätzt war, lesen Sie hier.
Nach dem Spiel war so wie immer, wenn der angebliche David den Goliath besiegt. Das altehrwürdige Stadion an der Bremer Brücke bebte, die Anhänger des heimischen VfL lagen sich in den Armen. Pokalsensationen kennt der Fan des Traditionsvereines in dieser Saison: In der ersten Runde scheiterte Zweitligist Hansa Rostock an der Bremer Brücke; in Runde 2 kegelten die Niedersachsen den großen Nordrivalen Hamburger SV im Elfmeterschießen aus dem Wettbewerb.
Im DFB-Pokal entpuppt sich für Osnabrück der Zweitligaabstieg sogar als Glücksbringer. Denn als Drittligist genießt das Team von Trainer Carsten Baumann automatisch Heimrecht gegen höherklassige Teams, als Zweitligist hätte der Verein diesen Vorteil nicht.
Nicht unbedingt für eine BVB-Ehrenmitgliedschaft sollte sich zudem VfL-Mittelfeldspieler Benjamin Siegert bewerben. Der ist ein absoluter Pokalschreck, zum siebten Mal schaffte er gegen einen höherklassigen Verein den Sprung in die nächste Runde. Dreimal hieß das Opfer Borussia Dortmund, Siegert triumphierte zudem 2001 mit den Wolfsburger Amateuren und 2005 mit Eintracht Braunschweig. Kleiner Trost: Immerhin schied Borussia in Osnabrück gegen ein Vollprofiteam aus.
Orte der Schande
Pokalpleiten ziehen sich wie ein roter Faden durch die Dortmunder Vereinsgeschichte. 2001 zum Beispiel, als sich ein BVB-Team mit Koller und Amoroso mit 0:1 bei der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg (damals Oberliga Niedersachsen/Bremen) blamierte. Oder 1997: 1:2 gegen den Regionalligisten Eintracht Trier. Im Jahr zuvor feierte der kleine Revierrivale Wattenscheid 09, heute in der fünftklassigen NRW-Liga aktiv und damals Regionalligist, einen unerwarteten 4:3-Erfolg.
1990 zeigte der BVB ein weiteres Mal seine Solidarität mit kriselnden Traditionsvereinen. Bis in die Landesliga Mitte, zu diesem Zeitpunkt die vierthöchste deutsche Spielklasse in Bayern, war die stolze Spielvereinigung aus Fürth abgestürzt. Der 4. August 1990 wurde zu einem denkwürdigen Tag für die Franken: Mit 3:1 gewann die Spielvereinigung gegen den Bundesligisten, obwohl sie ab der zweiten Minute nur noch mit zehn Leuten spielte, weil ihr Spieler Schneider rot sah. Doch Borussia blamierte sich in Überzahl und bei 40 Grad Tagestemperatur nach allen Kräften...
P.S: Sind die Frankfurter besoffen? 3:0 nach 28 Minuten für Bayern München nach einem unglaublichen Fehler von Mike Franz. Aber die Eintracht-Frans singen.....