Freitag, 25. September 2009
Es handelt sich nur um Fußball
Morgen gibt es das große Revierderby – und alle drehen mal wieder am Rad, wenn Borussia Dortmund auf den Erzrivalen Schalke 04 trifft. So befürchtet die Dortmunder Polizei Auseinandersetzungen, weil 5000 Schalker Fans vom Dortmunder Hauptbahnhof über den Wall und die Hohe Straße geschlossen Richtung Stadion marschieren möchten.
Das Revierderby war schon immer voller Emotionen. Die Stimmung wurde allerdings in den letzten Jahren immer aggressiver, im Vorfeld gab es diesmal einige Befürchtungen. Darauf haben BVB-Fanabteilung und auch Sponsor Evonik reagiert, der in seiner neuesten Anzeige vor dem Derby auf Versöhnung zwischen den Parteien setzt.
Auch nurpferdeundfussball ignoriert das ganze „Mutter aller Schlachten“-Gerede und beschränkt sich pädagogisch wertvoll auf eine rein sportliche Vorschau.

Dortmund: Doppelpack gibt Mut
Ein Sieg, drei Unentschieden und zwei deftige Niederlagen in Hamburg und gegen Bayern zuhause – Borussia Dortmund hat den Start in der Bundesliga kräftig vermasselt. Die Mannschaft, die in der letzten Rückrunde noch so souverän auftrumpfte, produzierte Fehler in allen Mannschaftsteilen. Roman Weidenfeller im Tor patzte mehrmals, die Abwehr mit Owomoyela, Santana, Subotic und Dede bzw. Schmelzer wirkte in vielen Situationen richtig fahrig, im Mittelfeld überzeugte eigentlich nur Nuri Sahin und im Angriff herrschte nach dem Abgang von Alex Frei oft die große Flaute. Der Abgang des Schweizer Nationalspielers war doch nicht so leicht zu kompensieren.
Schmerzlich vermissen die Dortmunder zudem den verletzten Kapitän Sebastian Kehl auf der 6er-Position, der nicht zu ersetzen ist, auch wenn auf dieser Position mit Mats Hummels und Sven Bender Alternativen für die Zukunft da sind.
Im Vergleich zu früheren Jahren blieb es allerdings im BVB-Umfeld ruhig, Trainer Jürgen Klopp und die Verantwortlichen trotzten allem Krisen-Gerede, werteten das matte 1:1 in Hannover als Schritt in die richtige Richtung. In dieser Woche folgte am Dienstag ein souveräner 3:0-Erfolg im DFB-Pokal beim Zweitligisten Karlsruhe. Und zumindest Lucas Barrios, Neuzugang von Colo Colo aus Chile und Nachfolger von Frei, tankte mit zwei Treffern Selbstvertrauen. Verständlicherweise hatte der „Welttorjäger“ zu Beginn einige Umstellungsprobleme, das Tempo in der Liga war für ihn um einiges zu schnell. Allerdings zeigte er schon, dass er weiß, wo das Tor steht – und das zeichnet einen Torjäger aus.

Schalke: Der neue Messias
Die Fans und den Boulevard hat er schon überzeugt: „Magath bei den Fans schon Meister der Herzen“ titelte BILD vor kurzem. Besonders gut bei den Anhängern kam dabei an, dass „Quälix“ die hochdotierten Schalker Profis in der Vorbereitung mit Medizinbällen malochen ließ. Auf Schalke kann man eben immer noch mit einfachen Gesten das Volk erfreuen. Vielleicht schweißt aber auch die Finanzmisere des Clubs Anhang und Mannschaft zusammen.
Felix Magath, der Meistertrainer aus Wolfsburg, soll die Blauen wieder nach oben führen. Erwartungsgemäß ließ er dabei keinen Stein auf dem anderen und überraschte mit vielen jungen Spielern, die vorher kaum einer kannte: Zambrano, Moritz, Kenia, Schmitz oder Pliatsikas – sie alle könnten am Samstag in der Startformation stehen. Und zumindest seinem „Stürmerstar“ Farfan hat der Fußball-Lehrer offensichtlich richtig Beine gemacht, denn der Peruaner trumpft in dieser Saison richtig stark auf.
Mit drei Siegen, einem Unentschieden und zwei Niederlagen fiel der Gelsenkirchener Start durchaus zufrieden stellend aus, spielerisch konnte die Mannschaft aber kaum überzeugen. Das, so Magath, sei allerdings auch noch nicht zu erwarten. Mal sehen, wer am Ende wen schafft – Magath Schalke oder Schalke Magath.
In den Niederlanden führt übrigens nach sieben Spielen der PSV Eindhoven ungeschlagen die Tabelle an: Trainer dort ist ein gewisser Fred Rutten, „als spielerischer Impulsgeber“ (kicker) überzeugt Orlando Engelaar.

Tipp
Es wird nichts für Fußball-Ästheten, Dortmund gewinnt 2:1.



Mittwoch, 23. September 2009
Immer etwas im Schatten des Arc
Im September 1986 war ich zum ersten Mal auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch und was ich dort sah, beeindruckte mich durchaus. Zugegeben: Es war ein herrlicher Herbsttag und das sportliche Programm an diesem Sonntag war natürlich um Längen besser als das Winterprogramm auf der Dortmunder Allwetterbahn. Auch ansonsten wirkte alles etwas mondäner, sah mehr nach Geld aus als im bodenständigen Westfalen. Sportlicher Höhepunkt war der Preis von Europa, der vor 23 Jahren mit 400.000 DM höher dotiert war als heute, wo es nur um 155.000 Euro geht.
An das Rennen selbst kann ich mich überhaupt nicht mehr erinnern. Es siegte der 132:10-Schuss Allez Milord aus England vor Baby Turk und Moon Madness – keine Ahnung, was ich damals gewettet habe, getroffen habe ich jedenfalls nicht. Im Sattel der Erstplacierten saßen damals Greville Starkey, Steve Cauthen und Pat Eddery – drei internationale Topjockeys, mit deren Namen ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht so viel anfangen konnte. Woran ich mich aber erinnere, ist das Rennen danach, als Erwin Schindler einen Ausgleich gewann und laute „Erwin-Sprechchöre“ über die Bahn schallten.
Seit 1963 gibt es den Preis von Europa über die Derbydistanz von 2400 Metern, seit 1972 hat die Prüfung Gruppe 1-Status, zählt also zur höchsten Kategorie in Europa. Neben Mehl-Mülhens- und Union-Rennen ist die Prüfung über die Derbydistanz von 2400 Metern einer der Höhepunkte im Kölner Turfkalender.
In der Anfangsphase prägte ein Pferd aus der damaligen Sowjetunion das Rennen: Dreimal - 1965, 1966 und 1967- durfte sich Anilin den Siegerkranz überstreifen lassen.



Erstaunlicherweise kann ich mich sofort an einige Sieger aus Mehl-Mülhens und Union erinnern, beim Preis von Europa muss ich oftmals nachdenken, spontan fiel mir keiner ein. Das mag auch daran liegen, dass ich das Drama von 1987, als Kamiros II auf der Ziellinie noch an Le Glorieux vorbeilauf, nicht mitbekommen habe, weil ich in diesem Jahr meinen Grundwehrdienst mehr oder weniger motiviert weit weg in Schleswig-Holstein absolvierte.
Zudem war der Kölner September-Showdown nie das große Wettrennen. Meist gab es einen klaren Favoriten, der oft die Nase vorn hatte.

Viel Prominenz
Die Siegerliste liest sich dennoch wie ein „Who is Who“ des deutschen Turfs: Mondrian (1990, 14:10), Lomitas (1991, 12:10), Monsun (1993 und 1994, 32:10 bzw. 27:10), Lavirco (22:10, 1996), Belenus (41:10, 1999), Schiaparelli (2007, 22:10, siehe Video) oder im vergangenen Jahr die excellente Stute Baila Me (66:10) gewannen unter anderen in den letzten 20 Jahren.
Aus dem Ausland kommen häufig Pferde, die etwas unter der Jahrgangsspitze in ihren Ländern standen und hier ein Gruppe I-Rennen gewinnen konnten. Dazu zählen Namen wie der Doppelsieger Taipan (1997 und 1998) aus dem Quartier von John Dunlop, Apple Tree (1992) oder die Godolphin-Galopper Mamool (2003) und Kutub (2001). Die Toppferde aus Irland, Frankreich, England und auch Deutschland laufen allerdings eine Woche später im Prix D’Arc de Triomphe in Paris-Longchamp, Europas Nummer 1-Rennen über 2 400 Meter.
2009 ist das nicht anders, dennoch ist die Besetzung nicht schlecht: Aus England wurden Bronze Cannon (Gr. II-Sieger in Royal Ascot), Eastern Anthem (Zweiter im Großen Preis von Baden), Schiaparelli (zuletzt Zweiter im Irish St. Leger) und Enroller genannt, aus heimischen Ställen kommen Poseidon Adventure (Zweiter 2007 und 2008), der Derby-Zweite Toughness Danon, der Derby-Vierte Eliot, Ambassador (Sieger im großen Preis der badischen Wirtschaft) und Schiller Danon (4. im Rheinland-Pokal). Auf dem Paper sieht das nach einer durchaus offenen Angelegenheit aus.



Wer zuletzt lacht - Derbyfieber Teil 1


Erinnerungen an ein denkwürdiges Revierderby aus dem September 2008: 3:0 führte Schalke beim BVB, war gegen desolate Dortmunder völlig überlegen und wollte den Gegner jetzt vorführen. Doch dann kam Alex Frei - und Schalke hatte zum Schluss Glück, dass Borussia nicht noch das 4:3 gelang. Idee und Film stammen von Sebastian Landeskroener und Uwe Sittig.



Montag, 21. September 2009
Der Galopper der Woche: Simonas
Am 12. April 2003 begann in einem wenig aufregenden Rennen für vierjährige und ältere sieglose Pferde eine große Karriere, die keiner der Besucher auf der Kölner Rennbahn ahnen konnte: Mit bereits vier Jahren feierte der Wallach Simonas ein erfolgreiches Debüt und siegte überlegen im Preis des Bergischen Freilichtsmuseums Lindlar. Trainiert wurde der Sternkönig-Sohn von Ralf Suerland, Besitzer war das Turf Syndicat 2001, bei dem Ex-Jockey Manfred Hofer die treibende Kraft war. Sechs Jahre später könnte der Schimmel am Freitag, als er mit viel Kampfgeist ein Altersgewichtstrennen in Bremen vor Mauritino gewann, seine Abschiedsvorstellung gegeben haben – sagt zumindest Trainer Andreas Wöhler, will aber noch einmal mit Besitzer Gary Tanaka sprechen.
Solche Gegner wie jetzt in Bremen hätte Simonas in seiner Glanzeit deklassiert. Denn nach dem Debütsieg folgte noch unter der Ägide von Ralf Suerland ein schneller Marsch durch die Handicaps: Im September gab es in Köln den ersten Erfolg im Ausgleich I. 2004 übernahm dann Trainer Andreas Wöhler das Training und offenbar hatte sich der Schimmel des Turf Syndikats weiter verbessert: Nach zwei leichten Erfolgen in Mailand folgte der erste Gruppesieg über weite 2800 Meter in Rom.
Die beste Leistung seiner Karriere zeigte Simonas Ende 2004 als Zweitplacierter im Canadian International (Gr. I) in Woodbine/Kanada: Nur Sulamani aus dem Godolphin-Imperium besiegte ihn.
2005 erwarb Gary Tanaka, ein amerikanischer Geschäftsmann und Finanzier mit japanischen Wurzeln, den Wallach. In dem Jahr war er unter anderem Zweiter hinter Collier Hill im Kölner Gerling-Preis, gewann den Hamburger Hansa-Preis vor Soldier Hollow und platzierte sich als Zweiter hinter Gonbarda im Kölner Preis von Europa.
Den letzten großen Erfolg feierte Simonas im Oktober 2006, als er in der Baden-Württemberg Trophy in Baden-Baden leicht gegen Mohandas und Kiton gewann.
Simonas war in seiner Glanzeit ein Steher, der besonders auf weichem oder schweren Boden zur Bestform auflief. Der markante Schimmel gehörte in den letzten Jahren fast zum Inventar des Wöhler-Stalles, das alte Leistunsgvermögen besaß er aber nicht mehr. Insgesamt gewann er 12 seiner 44 Rennen und verdiente in seiner langen Karriere über 615.000 Euro Preisgeld.