Montag, 13. Juli 2009
Der Galopper der Woche: Sariska
Die Meinungen der User der Racing Post im Internet waren geteilt. „Was für ein Pferd, der eindrucksvollste Gruppe 1-Sieger in diesem Jahr“, schrieb cauliflower. „Eine der schlechtesten Irish Oaks aller Zweiter. Die Zweite und Dritte haben Listenklasse, die anderen sind nur Handicapper“, meinte hingegen User stephenwooley.
Siege auf schweren Boden sorgen oft für kontroverse Diskussionen. So auch dieser: Mit unglaublicher Leichtigkeit hatte die 20:10-Favoritin Sariska, trainiert von Michael Bell im englischen Newmarket und geritten von Jamie Spencer, die Irish Oaks (Gr. 1) über 2400 Meter auf der Rennbahn The Curragh in Irland gewonnen und damit das Klassiker-Double englische Oaks und irische Oaks geschafft.
In typischer Jamie Spencer-Manier blieb die Pivotal-Tochter erst einmal hinter im Feld, 200 Meter vor dem Ziel schritt Spencer dann zum Angriff und ging mühelos – ohne sein Pferd groß zu fordern - an der Pilotin Roses For The Lady (Jockey Fran Berry/ Trainer John Oxx) vorbei.
Am Ende hatte die Stute drei Längen Vorsprung auf Roses For The Lady. Noch größer waren die Abstände zu Midday, in den englischen Oaks in Epsom noch knapp geschlagene Zweite: 7,5 Längen blieb die Stute aus dem Stall von Henry Cecil, der der schwere Boden überhaupt nicht passte, als Drittplacierte hinter der Gewinnerin.
In Sariskas Lager war man schon vor dem Rennen sehr optimistisch. „Sie hatte so gut gearbeitet, ich war wirklich überzeugt, dass sie gewinnt“, erklärte Trainer Michael Bell.
Sariska stammt zwar vom Sprinter Pivotal, allerdings ist mütterlicherseits viel Stehvermögen in der Familie vorhanden. Nächstes Ziel sind die Yorkshire Oaks in York, allerdings denkt Trainer Bell auch an ein Duell gegen die besten Hengste im Arc, der im Herbst in Paris-Longchamp stattfindet. Dafür müsste die Stute allerdings nachgenannt werden.



Freitag, 10. Juli 2009
Schiaparelli im Pech
Wie lange verfolge ich den englischen Rennsport schon intensiv? 15, 16 Jahre – und in dieser Zeit kann ich mich kaum daran erinnern, dass die Stewards auf der Insel mal ein Pferd zurückstuften, weil es ein anderes behindert hat. Da muss die Behinderung schon sehr stark sein – ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo die Regeln viel strenger sind.
Ausgerechnet ein ehemaliges deutsches Pferd war betroffen am Donnerstag in den Princess of Wales’s Stakes, einem Gruppe II-Rennen über 2 414 Meter auf dem July-Kurs in Newmarket. Schiaparelli, 2006 Sieger im Deutschen Derby und im letzten Jahr von Godolphin erworben, gab sein Jahresdebüt in diesem Rennen.
Vor dem Start standen andere Kandidaten im Blickfeld: Godolphin-Stalljockey Frankie Dettori saß auf dem Stallgefährten Campanologist, der zuletzt Zweiter während Royal Ascot hinter Bronze Cannon (ebenfalls dabei) in den Hardwicke Stakes war.
Schiaparelli wurde von Ted Durcan geritten, der Starting-Preis lag bei gigantischen 290:10 und damit gehörte der ehemalige Deutsche zu den Außenseitern im Feld. Zumal Trainer Saeed bin Suroor auf der Godolphin-Homepage noch verkündet hatte, dass Schiaparelli „zwar gut auf den Posten sei, das Rennen aber noch benötigt.“
Jedenfalls machte der Derby-Triumphator das Rennen und lange Zeit sah es sehr viel versprechend aus. Durcan, so schien es, hatte alles im Griff, doch dann beorderte er sein Pferd in den Zielgeraden an die Rails. Dabei schnitt er Alwaary den Weg ab, der stoppte kurzzeitig und musste von Jockey Richard Hills neu aufgenommen werden. Das sahen die Stewards als entscheidende Rennbehinderung und setzen das Godolphin-Pferd auf den dritten Platz, Alwaary wurde am grünen Tisch Zweiter.
Der Sieg ging an den Michael Stoute-Schützling Doctor Freemantle, der mit Ryan Moore im Sattel gewann. Schiaparelli zog zwar noch einmal an, war im Ziel nur um eine halbe Länge geschlagen, bevor die Stewards in Erscheinung traten.
Die favorisierten Bronze Cannon und Stallgefährte Campanologist endeten im geschlagenen Feld und spielten nie eine entscheidende Rolle.



Donnerstag, 9. Juli 2009
„Hoppeldop“: Das Union-Rennen 1950
Der Bundespräsident höchstpersönlich war zu Besuch auf der Köln Rennbahn – und erlebte live den Sieg Niederländers im Union-Rennen. Wir schreiben das Jahr 1950 – und dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel ist das damals immerhin folgende Geschichte wert, in die das Hamburger Blatt (oder waren sie da noch in Hannover) noch viel Turfhistorie packt.
Sehr lesenswert, zumal das spätere „Sturmgeschütz der Demokratie“ heute nur noch über Galopprennen berichten würde, wenn es einen saftigen Wettskandal oder massenweise gedopte Pferde gebe.
Eine Frage bleibt noch: Hat Adrian von Borcke, der ehemaliger Karlshorster Herrenreiter und Trainer Niederländers, recht behalten mit seinem Derby-Einlauftipp Niederländer – Asterios? Er hatte, leider lässt sich nicht mehr in Erfahrung bringen, was der Einlauf denn gezahlt hätte...



Dortmund künftig ohne „Leeeeeeeeeeee“
Auf der BVB-Homepage taucht er noch im Kader auf, das Fachmagazin kicker notiert ihn bereits unter Abgänge: Außenverteidiger Young-Pyo Lee wechselt ablösefrei von Borussia Dortmund zum saudi-arabischen Proficlub Al-Hilal Riad, berichten sowohl
die Dortmunder Tageszeitung Ruhr-Nachrichten als auch das kicker-Sportmagazin. Dabei hatte der BVB im Winter noch verkündet, dass der Verein den Vertrag des Südkoreaners bis zum 30. Juni 2010 verlängert habe. Das war offensichtlich nicht korrekt. Es habe „in der Tat eine Absichtserklärung für eine Vertragsverlängerung gegeben, aber diese ist nicht vollzogen worden“, so BVB-Sportdirektor Michael Zorc gegenüber den Ruhr-Nachrichten.
Lee kam Ende August 2008 von den Tottenham Hotspurs aus der englischen Premiere League und sollte den verletzten Linksverteidiger Dede ersetzen. Sein Bundesliga-Debüt gab er beim sensationellen 3:3 nach 0:3-Rückstand gegen den Erzrivalen Schalke 04.
Der beidfüssige, technisch gute und taktisch versierte Abwehrspieler integrierte sich schnell ins Team. Nur bei der 0:2-Heimniederlage im UEFA-Cup gegen Udinese Calcio spielte Lee wie die ganze Mannschaft schwach, ansonsten bot er besonders in der Defensive sehr solide Vorstellungen.
Das zeigen auch die Daten der Kicker-Datenbank: 18 Bundesligaspiele, Durchschnittsnote 3,38, hinzukommen jeweils zwei Spiele im DFB-Pokal und UEFA-Cup. Die Notenpalette reicht dabei – mit Ausnahme des Udinese-Hinspiels - von 2,5 bis 4, also durchaus konstant ohne große Ausrutscher nach oben und unten.
Je länger die Hinrunde dauerte, desto mehr taute der Südkoreaner auf, traute sich auch in der Offensive mehr zu und entwickelte sich zu einem Publikumsliebling im Westfalenstadion. Laute Leeeeeeeeee-Rufe begleiteten seine Aktionen. Kein Wunder, dass der BVB den Vertrag in der Winterpause verlängerte – was sich im Nachhinein ja nur als „Absichtserklärung“ herauskristallisierte.
Dann kam der 20.Spieltag: Dortmund quälte sich zu einem müden 1:1 gegen den späteren Absteiger Cottbus – und Lee sah von Schiedsrichter Peter Sippel die rote Karte wegen rohen Spiels, eine sehr harte Entscheidung. Der Stammplatz war danach weg: Denn auf der linken Seite kehrte Dede in die Mannschaft zurück und rechts trumpfte auf einmal Patrick Owomoyela groß auf. Lee blieb die Ersatzbank, nur noch zweimal kam er noch zum Einsatz.
Über 100 Länderspiele bestritt der 32jährige bislang für sein Heimatland Südkorea, größter Erfolg war Platz vier bei der Heim-WM 2002, als die Asiaten erst im Halbfinale an Deutschland scheiterten. Auch 2006 gehörte er zum WM-Aufgebot Südkoreas.
2002 folgte er seinem Nationaltrainer Guus Hiddink zum PSV Eindhoven in die Niederlande, 2005 verpflichteten ihn die Tottenham Hotspurs und ihr damaliger Manager Martin Jol.